UNERBLICKT – Ausstellungen

AUSSTELLUNGSBESPRECHUNGEN


von Athanase Roßberg

Dunkel war’s, die Kunst schien helle

Über das Verhältnis von Gotik und Moderne in der Ausstellung Gothic Modern in der Albertina Wien.

Ein Ausstellungsrundgang. 19. Dezember 2025

Vincent van Gogh – Kopf eines Skeletts mit brennender Zigarette, 1886, Van Gogh Museum, Amsterdam © Vincent van Gogh Foundation

Die Gotik war dunkel. Die Gotik war schwarz. Tod und Melancholie lagen in ihr. Es ist ein Schreckensbild, das wir mit der Zeit, die oft unter dem Begriff des Mittelalters zusammengefasst wird, verbinden. Doch dieser Blick ist trügerisch und, wie wir sehen werden, zu kurz gefasst.

Man kann der „Düsternis“ der Gotik auch ganz anders begegnen. Dies tut die Ausstellung Gothic Modern in der Albertina Wien sehr konsequent. So treten Werke aus den Jahren zwischen 1875 und 1925 in einen direkten Dialog mit Werken der spätmittelalterlichen Kunst. Dabei wird einem schon am Anfang der Ausstellung bewusst, dass man die Kunstgeschichte nicht nur als eine Abfolge klar abgegrenzter Epochen und Stile verstehen kann, sondern auch als ein ständiges Neu-Diskutieren und Neu-Ausmalen wiederkehrender Themen und Gefühle.

So entsteht eine Ausstellung, die Raum für den direkten Vergleich gibt. Der Rundgang folgt dabei keiner linearen Chronologie, sondern ist bewusst als Abfolge thematischer Dialoge angelegt. Mittelalterliche Werke und Arbeiten der Moderne stehen sich unmittelbar gegenüber und werden nicht als historische Vorstufen oder Nachbilder gelesen, sondern als gleichwertige Bild-Antworten auf dieselben existenzielle Fragen. 

In der Kunst finden sich schon immer Themen wie Leid, Mystik und Endlichkeit, sei es in der Zeit der Gotik oder viel später bei Künstlerinnen und Künstlern wie Käthe Kollwitz, Max Klinger oder Edvard Munch – zuletzt in einer wunderbaren Ausstellung über die Angst im Werk von Munch in den Staatlichen Kunstsammlungen Chemnitz. Sieht man die diversen Positionen jedoch einmal nebeneinander, erscheinen die Herangehensweisen universeller, greifbarer und vor allem dichter. Als könnte niemand wirklich der Melancholie entfliehen.

Die Natur trägt Dunkelheit und Furcht in sich. Verweilt man in den detaillierten Stichen von Albrecht Altdorfer aus der Zeit um 1520, wird man nicht müde, noch die kleinste Schattierung zu erkennen und darin eine bestimmte Melancholie zu erspüren. Diesen Bildern gegenüber hängt ein nur so von Farbe schäumender Wald von Edvard Munch. Er wirkt, als würden die hellen Grün- und Ockertöne vom Dunkel der Bäume und des Himmels verschluckt. Die Natur wird sichtlich zu einer Metapher für die Krisen des modernen Menschen – zu einer drohenden Gefahr.  

Hans Baldung Grien – Die drei Lebensalter und der Tod, ca. 1509/1510, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, © Foto: KHM-Museumsverband

Der Tod tanzt. Der Tod lacht. Irgendwo ist er immer präsent, und in der Kunst macht er sich nicht einmal die Mühe, sich zu verstecken. Skelette und Totenköpfe hängen an den Wänden, aber selten mit einer wirklichen Bedrängnis. Da ist dieses Skelett von Vincent van Gogh von 1886 mit einer brennenden Zigarette; es scheint die Endlichkeit eher zu verspotten, als uns zu warnen. Doch bei all den Totentänzen schwingt die düstere Wahrheit mit, erinnern sie uns doch an die Schrecken von Krieg und Pest. Und so verfolgt der Tod seine Opfer in der Kunst am Ende dann doch.

Akseli Gallen-Kallela – Lemminkäinens Mutter, 1897, Finnish National Gallery / Ateneum Art Museum, Antell Collections, Helsinki, © Foto: Finnish National Gallery / Hannu Pakarinen

Nach Hans Holbein d.J. – Der tote Christus im Grab, 17. Jahrhundert, Stiftsbibliothek St. Gallen
© Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen

Die Moderne kann als Bruch mit der Kunst der vorherigen Jahrhunderte gesehen werden. Aber sie ist eben auch ein Weiterdenken und Rezipieren dieser Kunst. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zunehmend zu einer Neubewertung der Werke Albrecht Dürers oder Matthias Grünewalds und deren Auseinandersetzung mit Krisen und Gefühlen, oft noch in einem sehr christlichen Kontext. So findet sich in der Ausstellung eine Kopie des Toten Christus im Grab nach Hans Holbein d. J. – eine sehr menschliche, realistische Darstellung, welche von der Kühle eines toten Körpers erzählt. Dieser Bildtypus des liegenden, fast weißen Körpers findet sich in Gemälden und Zeichnungen der Moderne wieder, zum Beispiel in der Lemminkäinens Mutter des finnischen Malers Akseli Gallen-Kallela – eine eindrückliche Vereinigung nordischer Mythen mit der religiösen Darstellung der Madonna. 

Der Körper, die psychischen Regungen, werden greifbar. Die Körper verrenken sich in radikalen Posen, so wie in Egon Schieles Portrait von 1914. In nur wenigen Linien und mit nur dezenter Aquarellfarbe werden Unsicherheit und die Suche nach Identität sichtbar. Und dieser Kampf lässt sich auch in den Darstellungen aus der Gotik nachvollziehen. Ringend und leidend wirken die Leiber und Figuren wie im Heiligen Sebastian von Martin Schongauer aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhundert. 

Egon Schiele – Männlicher Akt, 1912, Wien Museum
© Foto: Wien Museum

Martin Schongauer – Der heilige Sebastian, letztes Drittel 15. Jahrhundert
Foto: ALBERTINA, Wien

Mit dem zunehmenden Gang durch die Ausstellung verdunkelt sich das Gemüt bei all der Melancholie doch etwas. Es ist erfreulich, dass die Ausstellung mit Dialogen über Liebe, Hingabe und Licht endet. Adam und Eva als Themen bei Albrecht Dürer und Max Beckmann sind dabei beinahe unausweichlich. Intensiver ist jedoch der Vergleich zwischen den klassischen Madonnendarstellungen – exemplarisch hier von Hans Baldung Grien aus dem 16. Jahrhundert – und jenen der Moderne. Zum einen hängt dort die Stillende Mutter von Paula Modersohn-Becker. Alles an diesem Bild erinnert an die typische Haltung der Madonna, die den Knaben schützend auf den Armen hält. Doch bei ihr wirkt es humaner und schlussendlich der christlichen Tradition vollkommen enthoben. Und so begibt man sich auch in den mittelalterlichen Madonnen auf die Suche nach der Mutter.

Hans Baldung Grien Maria mit Kind und Papageien, 1533 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, © Foto: Germanisches Nationalmuseum, Foto: Dirk Meßberger

Paula Modersohn-Becker –Stillende Mutter, 1902 Kunstpalast, Düsseldorf, © Foto: Kunstpalast – LVR-ZMB – Joshua Esters – ARTOTHEK

Und nun, am Ende, leuchtet es. Die Gotik – die Zeit der strahlenden, hellen Kathedralen, in die das Licht einfällt. Eine expressive Sonne von Munch lässt uns in die Gegenwart zurückkehren.

Bei all diesen Themen schafft diese Ausstellung vor allem eines: Die Kunst des Mittelalters wirkt so viel näher an unserer Gegenwart, und gleichzeitig erscheint jene der klassischen Moderne noch einmal viel mystischer und tiefer. Denn Krisen, Krieg und Düsternis schweben über allem, sei es im Mittelalter, in der Zeit der Moderne um 1900 oder in der Gegenwart. 

Gothic Modern ist also mehr als nur ein Dialog, mehr als nur ein Suchen und Finden. Es ist es ein Erkennen von Vielstimmigkeit und ästhetischer Inspiration. Und es ist der Beweis, dass einer guten Ausstellung dann doch auch immer ein wenig Mut guttut.

Redaktion: Josephine Oess, 16. März 2026

Gothic Modern wurde vom 19.September 2025 bis zum 11. Januar 2026 in der Albertina Wien gezeigt.


von Athanase Roßberg

Über das Selbstbewusstsein einer Malerin

Die Wiederentdeckung Michaelina Wautier im Kunsthistorischen Museum Wien, 20. Dezember 2025

Michaelina Wautier – Der Triumph des Bacchus, 1655/59. Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie; © KHM-Museumsverband

EIN BACCHUS UNTER MENSCHEN 

Ein kräftiger, trunkener Bacchus, der Gott des Weines, aalt sich in der Mitte eines Gemäldes. Von einem Satyr auf einer Schubkarre geschoben, wird er von einem Faun mit Traubensaft getränkt. Das Bild wimmelt, so als wären alle mit berauscht, die Faunen, Putten und Tiere. Und doch erscheint bei näherer Betrachtung das Bild viel nüchterner und menschlicher, als man es von anderen Bacchus-Darstellungen zum Beispiel von Peter Paul Rubens kennt. 

Rechts auf dem Bild blickt uns eine Faun direkt und durchdringend an, als wolle sie uns von ihrem Selbstbewusstsein überzeugen. Diese Figur besitzt nachweislich die Züge der Malerin und Schöpferin selbst. Und genau dies ist die wahre Überraschung dieses Gemäldes: Es ist das Werk einer zu unrecht vergessenen Malerin des Barock, welche es mit den großen ihrer Zeit aufnehmen kann. Die Rede ist von Michaelina Wautier. 

Das Gemälde, das bis zum Jahr 1961 als Arbeit eines männlichen Kollegen galt, verstößt gegen die Konventionen seiner Zeit. Nicht nur Wautiers subtile Selbstinszenierung, auch die nackte Darstellung der männlichen Figuren waren für ein Werk einer Frau kaum vorstellbar. So waren Frauen zu dieser Zeit sowohl das Studium des Aktes als auch die künstlerische Ausbildung kaum möglich. 

MEHR EINE SUCHE ALS EIN ERGEBNIS 

Dass das Kunsthistorische Museum Wien nun dieser Künstlerin eine so große Ausstellung widmet, ist eine Sensation und markiert einen Wendepunkt. Mit 29 Werken, darunter Hauptwerke aus internationalen Sammlungen, zeigt diese Schau einen fast vollständigen Überblick. 

Kuratiert wurde die Ausstellung von Gerlinde Grube, welche auf das Wissen und die Recherche der belgischen Kunsthistorikerin Katlijne Van der Stighelen zurückgreifen konnte, einer treibenden Kraft hinter der Wiederentdeckung Wautier. Diese langjährige Forschung bildet die Grundlage für diese Ausstellung, die sich nicht als Retroperspektive, sondern vielmehr als Zwischenfazit versteht. 

Wenig ist bekannt über die belgische Künstlerin, selbst ihr Geburtsjahr 1614 kann nur vermutet werden. In Brüssel lebte sie zusammen mit ihrem Bruder Charles Wautier, der auch Teil der örtlichen Gilde sein konnte. Michaelina selbst war diese Anerkennung als Frau nicht möglich. Doch trotz der räumlichen Nähe gilt eine Zusammenarbeit der Geschwister als ausgeschlossen, was auch an den qualitativen Unterschieden der ausgestellten Werke deutlich wird. 

In den Ausstellungsräumen entfaltet sich die stilistische Entwicklung der Malerin in  der vollen Breite der von ihr bearbeiteten Gattungen. Man begegnet neben dem Bacchus-Gemälde vor allem ihren Portraits. Aber nur im Zusammenspiel mit der Gesamtheit an Werken –vom Stilleben bis zu Genregemälden –wird Wautiers künstlerisches Spektrum sichtbar. All diese treten dabei in einen Dialog mit zeitgenössischen Werken von Jan van Eyck oder Peter Paul Rubens, welche aus der Sammlung des Museums stammen.

Michaelina Wautier – Die fünf Sinne (Der Geschmackssinn), 1650, Öl auf Leinwand, Rose-Marie and Eijk Van Otterloo Collection, Boston; Foto © 2025 Museum of Fine Arts, Boston

Eine besonders überraschende Arbeit Wautiers stellt die fünfteilige Werkserie der “Fünf Sinne” aus dem Jahr 1650 dar, welche aus dem Kunstmuseum Boston nach Wien gekommen ist (und Wautier erst 2020 zugeschrieben wurde). Voller Kraft und Ironie zeigt die Künstlerin einen Jungen vor einem dunklen Hintergrund, ganz im Sinne des Lichtspiels Caravaggios. Mal hält sich der Bub die Nase zu und verzieht das Gesicht, ein anderes Mal schaut er durch eine kleine Brille. Es hinterlässt ein Schmunzeln, doch bei einem längeren Verweilen zeigt sich an diesen Gemälden das Talent der Malerin exemplarisch. So schafft sie durch die Feinheit der Haare und ihre Fähigkeit, die Haut des Jungen lebendig und plastisch darzustellen, eine berührende Zugehörigkeit.  

Michaelina Wautier -Zwei Mädchen als hl. Agnes und hl. Dorothea, 1655, Öl auf Leinwand, Königliches Museum für Schöne Künste Antwerpen – Flämische Gemeinschaft; Fotograf: Rik Klein Gotink 

Hingewiesen werden soll auch auf das Gemälde “Zwei Mädchen als hl. Agnes und hl. Dorothea” (um 1655). Den beiden Mädchen ist ihr drohendes Ende als Märtyrerinnen bereits anzusehen. Dabei wirken die Gesichter fast zerbrechlich und dennoch warm. Es ist ein ikonisches Beispiel für das Können, Haare und menschliche Haut darzustellen. Und es verfestigt das Wissen, dass dieser Malerin ein fester Platz im Kanon der Kunst des Barock sicher ist.

Es ist eine wahre Freude, die Werke zu sehen und zu wissen, dass Michaelina Wautier nun durch diese Ausstellung in Wien und demnächst an der Royal Academy in London (27. März bis 21. Juni 2026) ihre längst überfällige Krönung erhält. Und dabei ist die Forschung zu ihr längst nicht abgeschlossen. Es bleibt also spannend.

Redaktion: Josephine Oess, 19. Februar 2026

„Michaelina Wautier. Malerin“ ist noch bis 22. Februar 2026 im Kunsthistorisches Museum Wien und vom 27. März bis zum 21. Juni 2026 in der Royal Academie London zu sehen.


von Athanase Roßberg

Nicht das Schöne, sondern das, was wirklich sichtbar ist

Diane Arbus“ im Gropius Bau Berlin

Ein Experiment. Gehen Sie raus. Auf die Straße, in den Park, oder setzen Sie sich in einen Bus. Und dann sehen Sie sich die Menschen um sich herum an, ihre Eigenheiten und ihre Gemeinsamkeiten. Und dann fragen Sie sich: Sehe ich wirklich urteilsfrei auf diese Menschen? Sehe ich die Menschen so wie sie sind? Oder sehe ich nur, was in meine Erfahrung passt? 

Diese Gedanken werden helfen, die Kunst und gerade die Fotografie noch einmal anders zu sehen. 

Diane Arbus: Konstellationen, Installationsansicht, Gropius Bau, 2025
© Gropius Bau, Foto: Rosa Merk. Alle Kunstwerke © The Estate of Diane Arbus, Collection Maja Hoffmann/LUMA Foundation

Ortswechsel: Berlin, Martin-Gropius-Bau. In den hellen Räumen sind schwarze Metallgitter wie zu einem Labyrinth aufgestellt und versperren blickdurchlässig den Weg. Auf diesen dunklen Stäben finden sich 454 Fotografien der amerikanischen Fotografin Diane Arbus (1923-1971) in einer frei zusammengestellten Reihenfolge, ohne Chronologie oder thematische Gruppierung. Bei dieser Breite an Werken ist ein genaues Studieren kaum möglich. Daher ist der Ausstellungsbesuch von Beginn an ein Durchstreifen mit dem Ziel, die Bilder nur auf sich wirken zu lassen.  

Da ist diese junge Frau, die etwas zurückhaltend auf der Bank sitzt, die Finger um ihre Korbtasche gelegt, so als müsste sie direkt wieder aufbrechen. An anderer Stelle sieht man zu einem Portrait von Helene Weigel hinauf und spürt einen tiefen Drang in ihrem Blick. Oder die Kinder, welche sich hinter selbstgebastelten Masken vor uns verbergen. All diese Fotografien sind eindrücklich und auf ihre Art unerwartet. Und vor allem die Werke, welche die Außenseiter und Eigenbrötler, die Drag-Künstler*innen und Menschen mit Behinderungen zeigen, sind berührend und machten Diane Arbus weltbekannt. 

Diane Arbus, Triplets in their bedroom, N.J. 1963
© The Estate of Diane Arbus, Collection Maja Hoffmann/LUMA Foundation

Sehen Sie sich Triplets in their bedroom, N.J. von 1863 an, und Sie werden die Leistung von Diane Arbus erkennen: Sie schafft es, Menschen mit Achtung darzustellen, ohne sie zu überhöhen oder ihre sichtlichen Eigenheiten zu bewerten. Dabei sollte man auch die Kritik an den Werken nicht unbeachtet lassen: So sah die amerikanische Kulturtheoretikerin Susan Sontag in Arbus‘ Bildern eine Ästhetisierung des Hässlichen – für sie trugen die Bilder auch immer ein Herabsehen auf ihre Modelle in sich. 
Genau diesen Drahtseilakt sollte man im Hinterkopf haben, wenn man die Werke betrachtet. Denn dadurch lernen wir, dem Sehen mit mehr Misstrauen zu begegnen und es nach den eigenen Vorurteilen und Prägungen zu untersuchen. Dass die Titel der Fotografien nur im Booklet und nicht in der Ausstellung selbst stehen, hilft dabei: Der Blick ist vom Vorwissen befreit. 

Eine weitere Stärke dieser Art der Hängung ist die Möglichkeit, nach Bezügen zwischen den Bildern zu suchen: Wo sind sie sich gleich, und wo sieht man ihren Protagonist*innen einen ganz individuellen Umgang mit ihrer Verletzlichkeit, mit ihrer Unsicherheit und ihrem Stolz an? Denn die sichtbare Suche all dieser Menschen nach einem Platz in der Gesellschaft gibt diesen Bildern eine enorme Aktualität.

Diane Arbus, Two female impersonators backstage, N.Y.C. 1962
© The Estate of Diane Arbus, Collection Maja Hoffmann/LUMA Foundation

Es ist nicht möglich, alle Bilder und alle Geschichten bei einem einzigen Besuch zu erfassen, sodass einen die Ausstellung gegen Ende etwas überlädt und ermüdet. Aber wenn man sich Ruhe nimmt, an den Bildern stehen bleibt, die einen fesseln, dann zeigt sich die volle Stärke dieser Ausstellung und des Werkes von Diane Arbus. Und so kann jede*r Besucher*in am Ende vor allem zwei Erkenntnisse mitnehmen: Zum einen, wie Diane Arbus selbst sagt: “Ein Foto ist ein Geheimnis über ein Geheimnis“. Denn die wirkliche Wahrheit – jene, die nicht nur unsere eigene ist – werden diese Bilder wohl nie gänzlich verraten. 

Und zum anderen bleibt etwas, wenn man aus der Ausstellung in die graue Masse Berlins tritt: Man lernt mit jedem Gesicht, das man trifft, immer wieder neu zu sehen. 

Redaktion: Josephine Oess, 05. Januar 2026

Diane Arbus: Konstellationen“, zu erkunden bis zum 18. Januar 2026 im Gropius Bau, Berlin