UNGELESEN – Bücher

BUCHBESPRECHUNGEN


von Alicia Ciminello

Romantasy

Ein Einsteigerbericht
Warum „Powerless“ der perfekte Einstieg in die Fantasy-Welt sein kann

Wirft man einen Blick in mein Bücherregal, wird schnell klar: Fantasy ist wirklich nicht mein Genre. Statt magischer Welten, Drachen oder komplizierter Machtkämpfe habe ich meist zu New-Adult-Romanen oder romantischen Komödien gegriffen. Doch wie bei jeder oder jedem Buchliebhaber//in, kommt irgendwann der Tag, an dem man gefühlt alles in seinem Genre gelesen hat, und nach etwas anderem sucht.

Ich wollte mehr Abenteuer und mich deshalb in die Fantasy-Welt wagen. Zum Glück stieß ich auf den (für mich) perfekten Einstieg: Die „Powerless“ -Reihe von Lauren Roberts. Die Geschichte spielt zwar in einer magischen Welt und enthält viele klassische Fantasy-Elemente, doch im Zentrum steht eine Protagonistin, die selbst keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzt. In einer Gesellschaft, in der Macht und außergewöhnliche Begabungen über den Wert eines Menschen entscheiden, wird genau das zu ihrem größten Problem.

Gerade das machte mir den Einstieg so leicht: Während viele Fantasy-Autor//innen ihre Leser//innen direkt mit magischen Systemen, neuen Regeln und übernatürlichen Kräften konfrontieren, blickt man in „Powerless“ durch die Augen einer Figur, die selbst außen vor steht. Ihre Fragen werden zu meinen Fragen, ihre Unsicherheit wird nachvollziehbar und ihre Herausforderungen wirken erstaunlich greifbar. Statt mich zunächst in eine komplexe Fantasy-Welt einarbeiten zu müssen, konnte ich mich direkt mit der Hauptfigur verbinden. Die fantastischen Elemente wurden dadurch nicht zur Hürde, sondern zu einem spannenden Teil ihrer Geschichte. Hinzu kommt, dass die Reihe genau die emotionale Komponente mitbringt, die ich aus dem New-Adult-Bereich so schätze: Beziehungen, persönliche Konflikte und Charakterentwicklung spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die Ereignisse der Handlung. Dadurch entsteht eine Mischung, die sowohl Fantasy-Fans als auch Leser//innen ansprechen kann, die bisher vor dem Genre zurückgeschreckt sind.

Mir hat „Powerless“ gezeigt, dass Fantasy nicht immer kompliziert oder schwer zugänglich sein muss. Diese Reihe verbindet eine emotionale Nähe mit einer faszinierenden Welt und schafft damit den Einstieg, den ich gebraucht habe. Wer bisher noch keine oder nur wenige Fantasybücher gelesen hat, aber Lust hat, einmal etwas Neues auszuprobieren, dem empfehle ich diese Welt von Herzen.

Besonders begeistert hat mich die extreme „Slow Burn“ und „Enemies to Lovers“ Liebesgeschichte. Die Spannung hat mich über alle drei Bände hinweg gefesselt. Oft wusste ich nicht, ob ich schneller weiterlesen wollte, um mehr über die Handlung zu erfahren, oder um zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen den Figuren weiterentwickelt.

Auch die Anzahl der Charaktere war angenehm. Es gibt genügend Figuren, damit die Welt lebendig wirkt, aber nie so viele, dass man den Überblick verliert oder ständig nachschlagen muss, wer eigentlich wer ist. Für jemanden, der bisher kaum Fantasy gelesen hat, war das ein großer Pluspunkt. Ebenso gelungen fand ich das Worldbuilding. Die Welt wirkt durchdacht und atmosphärisch, ohne die Leser//innen mit Informationen zu überfordern. Statt langer Erklärungen entsteht nach und nach ein klares Bild der Umgebung, sodass ich mir die Schauplätze und die gesellschaftlichen Strukturen sehr gut vorstellen konnte. Vielleicht ist genau das der Grund, warum „Powerless“ für mich so gut funktioniert.

Mittlerweile umfasst die Reihe drei Hauptbände sowie zwei zusätzliche Bücher, für alle, die nicht genug bekommen können. Die Zusatzbände sind eine schöne Ergänzung, aber keine Voraussetzung, um die Geschichte zu genießen.

Redaktion: Lea Bischoff, 29. Juli 2026.


von Nikey Dauringon

Bücher, die sich anfühlen wie der Sommer 

Vor uns liegen nicht nur lange Sommernächte voller Lachen, Sternschnuppen und großen Träumen, sondern auch Tage, die sich anfühlen wie Ferien als Kind. Eine Zeit, in der alles ein bisschen mehr vor Leben zu strotzen scheint. Der Sommer ist da und mit ihm die schönste Zeit, um mit einem guten Buch am Strand, im Freibad oder auf einem schattigen Balkon die Freizeit zu genießen. Ich habe drei Buchempfehlungen für euch, die sich für mich durch und durch nach Sommer anfühlen und am liebsten an der frischen Luft gelesen werden wollen.

“Hard Land” von Benedict Wells 

Es gibt wenige Autor//innen, die es schaffen, mich so mit ihren Worten in den Bann zu ziehen, wie Benedict Wells. Mit “Hard Land” hat er einen Roman geschrieben, der sich beim Lesen anfühlt, als würde man seinen Koffer für die Sommerferien packen, die man bei der Verwandtschaft in einer heißen, kleinen Stadt mit Eisessen und Fahrradfahren verbringt. 

Dafür reisen wir nach Missouri im Jahr 1985, wo der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob im Kino annimmt. Was mit seiner Liebe zu Filmen beginnt, stellt sich als magischer, lebensverändernder Sommer für ihn heraus: Er findet nicht nur neue Freund//innen, sondern auch die Liebe und jede Menge Geheimnisse, die seine Heimatstadt in ein neues Licht rücken. Beim Lesen spürt man förmlich die Abendhitze, die den Geruch des aufgeheizten Asphalts in die Nase steigen lässt, während man freihändig und mit einer leichten Brise in den Haaren auf seinem Fahrrad dahinrollt und über das erste Mal Verliebtsein nachdenkt. Praktisch ein 80erComing-of-Age-Film – nur als Roman. 

“Sunburn” von Chloe Michelle Howarth

Ein weiterer heißer Sommer, der alles ändert: Lucy wohnt im Irland der frühen 90er Jahre und lebt ein durchgeplantes Leben: Nach ihrem Schulabschluss wird von ihr erwartet, ihren Freund zu heiraten und Mutter zu werden. Doch auf einmal schwebt zwischen ihr und ihrer Freundin Susannah ein neues, unerklärliches, aber aufregendes Gefühl und dadurch geraten nicht nur ihre Emotionen, sondern auch ihre Zukunftspläne ins Wanken. Howarth erzählt in diesem melancholisch traurigen Roman von der ersten zarten Liebe und Selbstfindung, die in einem religiös und dörflich geprägten Umfeld stattfindet. Ich habe zwischen den Seiten von “Sunburn” immer wieder einen Bruchteil meiner eigenen Kindheit aufblitzen sehen und diese Geschichte hat mein ganzes Herz ausgefüllt – aber auch schmerzhaft zugedrückt. Inzwischen eines meiner liebsten queeren Bücher, das sich perfekt für einen heißen Strandtag anbietet. (Packt aber lieber mal eine Packung Taschentücher ein).

“Der Geschmack von Apfelkernen” von Katharina Hagena 

Wenn ihr früher eure Sommerferien auch bei eurer Oma verbracht habt und an diese Zeit wehmütig zurückdenkt, ist das der perfekte Summer Read für euch. Die Protagonistin Iris erbt das Haus ihrer Großmutter, in dem sie als Kind magische Sommer verbracht hat, jedoch schon mehrere Jahre nicht mehr dort war. Um über die Zukunft des Hauses zu entscheiden, verbringt sie dort eine Woche allein. Dabei erlebt sie eine intensive Zeit, die sie ihrem früheren Ich wieder näherbringt. Sie taucht ein in die Geschichte ihrer Familie, lernt viel über die zwei Generationen von Frauen vor ihr – unter anderem, wer seine Äpfel immer mitsamt Kernen aß. Wenn ich an einen zauberhaften und nostalgischen Sommer denke, dann kommt mir immer wieder dieses Buch in den Sinn. Noch nie wurde in so poetischen Worten von Apfelbäumen, knarrenden Dielen und schlittrigen Stegen im Schilf erzählt wie in diesem Gedicht von Roman. 

Ob mit Meerblick aus dem Hotelzimmer, entspannten Abenden auf der Terrasse oder stundenlangen Zugfahrten – egal, wie ihr euren Sommer verbringt, ihr solltet immer ein gutes Buch zwischen Wasserflasche und Sonnencreme in eurer Tasche dabei haben.

Redaktion: Marie-Claire Nickel, 07. Juli 2026


von Nikey Dauringon

Bücher, die sich anfühlen wie der Frühling

„Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel, „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens und „Der geheime Garten“ von Frances Hudgson Burnett.

Warme Sonnenstrahlen auf der Haut, das Vogelgezwitscher im Ohr und überall die ersten Blüten – endlich ist der Frühling da. Es gibt nichts Schöneres, als sich an einem dieser wärmeren Tage auf den Balkon oder in den Park zu setzen und die erwachende Natur so richtig in sich aufzusaugen. Und was bei mir dabei nicht fehlen darf, ist ein passendes Buch. Falls ihr auch auf der Suche nach Lesestoff seid, der perfekt zur Frühlingsstimmung passt und diese vielleicht sogar an regnerischen Tagen noch ein wenig verstärken kann, dann habe ich hier drei Buchempfehlungen für euch.

„Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katharina Scheidemantel

Vielleicht steht auf eurer Bucket List dieses Jahr mehr aus eurer Komfortzone auszubrechen, vielleicht sehnt ihr euch schon lange nach einem Leben auf dem Land oder vielleicht war „Die Wilden Hühner“ früher euer Lieblingsbuch. Wenn auch nur eines dieser Dinge zutrifft, ist „Statt aus dem Fenster zu schauen“ der perfekte Frühlingsbegleiter für euch. Es geht um Sophie, die plötzlich den großen Drang verspürt aus ihrem Alltag auszubrechen und spontan ein heruntergekommenes Haus auf Ebay Kleinanzeigen kauft. Nur mit ihrem Fahrrad und ihrem Rucksack bepackt und ohne jemandem Bescheid zu sagen, reist sie aufs ostdeutsche Land und beginnt ihr neues Heim von Grund aus herzurichten. Dabei wird sie nicht nur mit großen Fragen wie „Was mache ich hier eigentlich?“ und „Wo will ich hin?“ konfrontiert, sondern lernt auch mit sich und ihren Gedanken alleine und vor allem mutig zu sein. Für mich ein absolutes Jahreshighlight, das mir so schöne Bilder in den Kopf gesetzt und so viel neues Selbstvertrauen verliehen hat.

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Wir reisen nach North Carolina im Jahre 1969, wo die junge Kya schon ihr ganzes Leben lang in den dortigen Marschgebieten lebt. Abseits der Zivilisation, bekannt als „Marschmädchen“, lebt sie Seite an Seite mit den Tieren und Pflanzen, tanzt mit den Wellen und verdient sich ihren Unterhalt mit dem Sammeln und Verkaufen von Muscheln. Jedoch bleibt Kya nicht für immer alleine – eines Tages treten mehrere Männer in ihr Leben, die von ihrer wilden Schönheit fasziniert sind. Später wird einer von ihnen tot aufgefunden und Kya als Täterin angeklagt. Doch was ist wirklich passiert? Für mich ist Kyas Charakter das Sinnbild einer wilden, spirituellen Frau und damit ein großes Vorbild. Die Art und Weise, wie sie mit der Natur kommuniziert und durch ihre freie und offene Lebensweise ein Teil ihrer Umgebung wird, hat mich zutiefst berührt: Ich hatte sofort Sehnsucht danach, rauszugehen und mich mit einem Baum oder einem Vogel anzufreunden.

„Der geheime Garten“ von Frances Hudgson Burnett

Wenn ihr diesen Klassiker noch nicht kennt, dann ist dieser Frühling vielleicht der richtige Zeitpunkt, um ihn in euer Herz zu lassen! Wenn ich an meine Liebe zu magischen Orten in der Natur und verwilderte Gärten denke, komme ich immer wieder zu „Der geheime Garten“ zurück – ein Buch, das mich schon in meiner Kindheit verzaubert hat, damit aber bis heute nicht aufhört. Burnett erzählt die Geschichte der jungen Mary, die frisch verweist zu ihrem Onkel in ein großes, kaltes Haus geschickt wird, wo sie ab jetzt leben soll. Mary ist ein unzufriedenes, gemeines Kind, das die plötzliche Veränderung in ihrem Leben nicht akzeptieren möchte und nicht damit klar kommt, einsam zu sein. In ihrem neuen Zuhause freundet sie sich langsam mit dem herzlichen, naturverbundenen Dickon und dem eingebildeten Colin an, der stark mit seiner Krankheit zu kämpfen hat. Die drei finden einen mysteriösen, verwilderten Garten hinter hohen Mauern, der ihnen einen neuen, magischen Zufluchtsort bietet. Und während sie die Türen zu diesem geheimen Garten öffnen, öffnen sich auch die verschlossenen Herzen der Kinder. Die Geschichte ist magisch und einnehmend und ein absolutes Muss für alle, die ihre Augen für den Zauber in der Natur öffnen wollen.

Jedes dieser Bücher kann ein einfaches Frühlingspicknick zu einem magischen Moment machen und euch mit der Sanftheit und dem kindlichen Zauber dieser Jahreszeit inspirieren. Also packt euch ein paar Erdbeeren und eine Decke ein und verschwindet im warmen Sonnenschein in eine dieser traumhaften Welten. Sie warten schon auf euch!

Redaktion: Willem Barthelme, 08. Juni 2026